Der Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungs-und Informationsgesellschaft forciert einen Prozess der innovativen Beschleunigung, der alle Lebensverhältnisse radikal wandelt und zukünftige Lebenswelten beständig verändern wird. Die neuen Medien stellen dabei nicht nur das traditionelle Welt- und Selbstbild zur Disposition, sondern veranlassen zudem, kunst-, kultur- und medienpädagogisches Handeln zu überdenken. Angesichts einer den gesamten kulturellen Bereich umfassenden Neukodierung stehen auch und vor allem die künstlerischen Berufsfelder (Designer, Kuratoren, Künstler, Kunstpädagogen, Galeristen, Kunstjournalisten, Literaten, Musiker, Performer etc.) an der Gabelung eines Scheideweges: Werden sie sich als Erfüllungsgehilfen der Medienindustrie in den Nischen virtueller Realität verlieren, oder werden sie als kritische Beobachter einer rasant fortschreitenden globalen Entertainmentkultur ihre Stimme erheben und somit ihre ursprüngliche gesellschaftliche Bedeutung im wirklichen Leben zurückgewinnen? Das SymposiumVom Tafelbild zum globalen Datenraum hat erstmals Fachwissenschaftler, Künstler und Lehrende zu einer Reflexion über die Entwicklung von Rahmenbedingungen einer neuen Ausrichtung künstlerischer Berufsfelder zusammengebracht, um Konzepte einer kommenden, an den Erfordernissen einer vernetzten Gesellschaftsform ausgerichteten Curricula-Generation zu erörtern.
Als »fashion girl« sorgt Sylvie Fleury seit Anfang der neunziger Jahre für Aufsehen. Wirken ihre Arbeiten auf den ersten Blick auch wie eine Bestätigung der Wertmaßstäbe der Konsumgesellschaft, so verbindet sie mit ihnen doch eine subtile Kommentierung des schönen Scheins: Die von Fleury aufgegriffenen Slogans sind nicht nur Logos international bekannter Modehäuser, Parfümerien oder Hochglanzmagazine. Fleury benennt mit der Benutzung dieser Zeichen vielmehr die mit ihnen verbundenen menschlichen Sehnsüchte und Wunschbilder. Farbige Räume, magische Lichterscheinungen und glänzende Oberflächen gewinnen in ihrer Arbeit neuerdings an Bedeutung. Farbpsychologie und Esoterik (aus diesem Bereich leitet sich der Titel »49000« her) bestimmen den Charakter vieler Werke. Somit beschreitet Fleury über die Auseinandersetzung mit dem Warenfetischismus der »world of fashion« hinaus neue Wege. Magische Aura, Schönheit und Erhabenheit der inszenierten Objekte wie Kristalle oder Pendel rücken hierbei in den Mittelpunkt. Die Publikation, die von der Schweizer Künstlerin selbst gestaltet wurde, präsentiert neben »Klassikern« der neunziger Jahre im Wesentlichen Arbeiten der letzten zwei Jahre.
Die Minimal Art ist eine spezifisch amerikanische Kunstrichtung, die vor allem der konzeptuellen Kunst, aber auch der italienischen Arte Povera und der Performance und Body Art entscheidende Impulse gab. Selbstbewusst widersetzten sich die Protagonisten der Minimal Art den traditionellen Forderungen der Moderne an das Kunstwerk und schufen Arbeiten, die eine unmittelbare Wahrnehmung von Raum, Volumen und Material erfahrbar machen sollten. Kennzeichen ihrer plastischen Werke sind eine reduzierte Formensprache, moderne Industriematerialien wie Sperrholz, Aluminium, Neonröhren und die Zurücknahme der individuellen künstlerischen Handschrift. Die Publikation bietet mit Hauptwerken von Carl Andre, Dan Flavin, Donald Judd und Sol LeWitt aus den privaten Sammlungen im Museum für Neue Kunst in Karlsruhe eine behutsame Annäherung an die Minimal Art. Frühe Quellentexte und Aussagen der Künstler geben Aufschluss über ihre klaren Vorstellungen von künstlerischer Produktion. Fachautoren skizzieren die Hauptaspekte der Minimal Art und untersuchen die Funktionen des Raumes ausgehend von den Konzeptionen in der Minimal Art bis zur aktuellen Kunst der neunziger Jahre.
Franz West gehört zweifellos zu den bedeutendsten Plastikern und Installationskünstlern der Gegenwart. In seinem Werk spielt das aktive Teilnehmen des Betrachters eine eminent wichtige Rolle: Wests frühe »Paßstücke« etwa sollen vom Publikum hochgenommen, gehalten oder »angelegt« werden; viele der späteren Möbelskulpturen und Installationen laden ein, sie zu be-sitzen. Das Kunstwerk entsteht erst oder ergänzt und vervollständigt sich durch den Körper des Betrachters. Franz West stellt sich damit als ein bedeutender Vertreter einer interaktiven Kunst vor, die in ihrer Unmittelbarkeit und Sinnlichkeit die Wahrnehmung direkt anspricht. Zur Irritation des Publikums stellt West diesen einladenden Environments reine »Schaustücke« mit ironisierend- bedeutungsschweren Titeln gegenüber, die er nach Art einer klassischen Museumspräsentation unberührbar auf Sockeln und hinter Glas positioniert. Das Künstlerbuch, in dem Franz West auch selbst zu Wort kommt, stellt eine breite Auswahl seiner Werke vor; ein besonderer Schwerpunkt wurde dabei auf neue und neueste Arbeiten gelegt. Die begleitenden Essays beleuchten etwa den Bezug zu barockem Formempfinden in Wests Werk oder seine Verarbeitung theoretischer Überlegungen eines Lacan, Deleuze oder Baudrillard. Zum Künstler: Franz West *1947 in Wien. Seit den siebziger Jahren künstlerische Arbeit, Autodidakt. 1987 Einzelausstellung in der Wiener Secession. 1990 gestaltet er den österreichischen Pavillon auf der Biennale Venedig. 1992 Teilnahme an der documenta IX, Gastprofessur an der Städelschule Frankfurt am Main. 1997 Teilnahme am Skulpturenprojekt Münster, an der Biennale Venedig und der documenta X.
Ausstellung: Museum für Neue Kunst, ZKM Karlsruhe 17.9.2000- 11.2.2001 Sigmar Polke zählt seit Beginn seines Schaffens in den sechziger Jahren zu den zentralen Persönlichkeiten der deutschen Kunst. Die etwa 50 Arbeiten auf Papier, 16 Gemälde und drei Fotoarbeiten aus der Sammlung Froehlich, die in diesem Band vorgestellt werden, geben mit Akzent auf Werken der sechziger Jahre einen umfassenden Einblick in die entscheidenden Stationen von Polkes Kunst. Fantasievoll und hintergründig erprobt Polke die Möglichkeiten der Wirklichkeitswahrnehmung und wagt auf spielerische Art Neudefinitionen dessen, was ein Bild zu leisten vermag. Zugleich distanziert sich Polke ironisch von der gesellschaftlich geprägten Vorstellung des Künstlers als Schöpfer. Die Kartoffel als Sinnbild schöpferischer Kraft, die Hand als eigentlicher Produzent der Kunst und »Höhere Wesen«, deren Befehle der Künstler ausführen muss, sind wiederkehrende Themen. Dabei entsagt Polke jeglichem stilistischen Anspruch. Er löst Material und Motive aus ihrem ursprünglichen Kontext, überträgt sie in den Bereich des Grotesken und verweigert sich auf humoristische Weise den Kriterien der traditionellen Kunst. Zum Künstler: Sigmar Polke *1941 in Oels/Schlesien. 1961-1967 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Karl Otto Götz und Gerhard Hoehme. Sigmar Polke erhält am 4.11.2000 den Goslarer Kaiserring.
Die Bedeutung neuer Technologien innerhalb der Gegenwartskultur findet zunehmend Resonanz in aktuellen künstlerischen Projekten. Die Publikation dokumentiert den komplexen Entstehungsprozess der neuesten Videoinstallation von Ute Friederike Jürß, »You Never Know the Whole Story«, die auf dem Gebiet der digitalen Bilderzeugung neue Wege geht: Die Arbeit zeigt drei »lebende Bilder«, die in Anlehnung an Pressefotos aus Aufnahmen der maskierten Künstlerin mit Hilfe eines digitalen Videoprogrammes als bewegt-unbewegtes Theater inszeniert wurden. Drei analytische Essays von Ursula Frohne, Thomas Y. Levin und Dörte Zbikowski beleuchten darüber hinaus den künstlerischen Umgang mit den neuen elektronischen Bildgattungen, da die technischen Voraussetzungen für die formalen und inhaltlichen Formulierungen der Medienkunst von ebenso prägender Bedeutung sind wie Farbe und Leinwand für die Malerei. Zur Künstlerin: Ute Friederike Jürß *1962 in Wiesbaden. 1985-1990 Studium und Diplom an der Akademie für Bildende Künste, München. 1991 Gastbühnenbildnerin am Staatstheater Darmstadt. 1992/93 Lehrauftrag an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. 1994/95 Stipendium auf Schloß Solitude, Stuttgart. 1999 Lehrauftrag an der Hochschule für Künste, Institut für Zeitmedien, Bremen. Lebt in Lübeck und New York.
Die Video-Klang-Installation »Stations« von 1994 vereinigt zentrale Aspekte aus Bill Violas Kunstschaffen: Zu sehen sind fünf Menschen verschiedenen Geschlechts und Alters, die in einem unbestimmten, wassergefüllten Raum schweben. Allmählich entfernen sie sich, um dann plötzlich in einer geheimen Choreografie wieder in das Wasser einzutauchen. Vielfältig sind die Anknüpfungspunkte nicht nur der formalen Gestaltung, sondern auch der symbolhaften Ikonografie, die das Thema des Zyklischen, des Werdens und Vergehens aus der Perspektive orientalischen Denkens, aber auch vor dem Hintergrund abendländischer Jenseitsvorstellungen zu verbildlichen sucht. Neben dieser großen Arbeit von Bill Viola werden im vorliegenden Band zwei weitere Videoinstallationen, »Threshold« von 1992 und »The City of Man« von 1989, eingehend besprochen. Anregende und instruktive Texte beleuchten Violas Rezeption ostasiatischen Gedankengutes sowie den Einfluss abendländischer Mystik auf die Kunst des Amerikaners. Zum Künstler: Bill Viola *1951 in New York. Studium an der Universität von Syracuse, New York. Assistententätigkeit bei Nam June Paik, Peter Campus, Frank Gillette u.a. Ausstellungen im In- und Ausland, darunter Teilnahme an der documenta 6 und IX, 1995 Biennale Venedig.
"Ich denke, man muß sich zeigen. Durch die eigene Arbeit in Erscheinung zu treten, ist zweifellos Teil des Künstler-Seins. Wenn man nicht will, dass die Leute dieses Selbst sehen, legt man ein Make-up auf", so beschrieb Bruce Nauman 1996 die Motivation, den eigenen Körper als künstlerisches Darstellungsmittel einzusetzen und ihn zugleich mittels Maskerade zu verbergen. In der Figur des Clowns, die eine der am häufigsten verkörperten Figuren in Naumans Videoarbeiten der späten achtziger Jahre darstellt, kulminiert das Verschwinden des Künstlers im Werk. Diesem zentralen Thema "Clown und Maskerade" im Schaffen von Bruce Nauman widmet sich ein Beitrag der vorliegenden Publikation. Weitere Texte fragen nach dem Verhältnis von Werk und Rezipient, beleuchten seine Spracharbeiten und setzen sich mit einer noch erklärungsbedürftigen Werkgruppe, den Abgussarbeiten des Künstlers, auseinander. In einem zweiten Teil werden Arbeiten aus den Sammlungen Froehlich und FER von den Anfängen in der Mitte der sechziger Jahre bis in die neunziger Jahre in fundierten Werkbetrachtungen erschlossen.
Am Ende der neunziger Jahre ist Kunst zu einem Knotenpunkt gesellschafts- und kulturtheoretischer Fragestellungen geworden. Dabei bilden gerade die medienorientierten Ansätze der zeitgenössischen Kunst den zentralen Ausgangspunkt. Video hat sich zu einer universalen und integrierenden Sprache entwickelt, die in Gestalt von Großbildprojektionen, Monitorbildern oder interaktiven Systemen Raum und Zeit, Fiktion und Realität, Theorie und Alltag miteinander verknüpft. Mit «video cult/ures» präsentiert das Museum für Neue Kunst I ZKM Karlsruhe eine breite Auswahl internationaler Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die das aktuelle Kunstgeschehen durch ihre Videoarbeiten nachhaltig belebt haben. Interkulturalität und die Sensibilität für gesellschaftlich vermittelte Konstruktionen von Identität bilden dabei die Gravitationszentren, um die sich die Videokunst der letzten Jahre bewegt. In den zeitgenössischen Projektionen finden sie ihren medienreflexiven Ausdruck. Mit «video cult/ures» liegt ein Band vor, der nicht nur dieses künstlerische Feld beschreibt, sondern darüber hinaus mit den Essays von Ursula Frohne, Peter Weibel, Konstanze Thümmel, Verena Kuni, Yvonne Spielmann, Kaja Silverman, Christian Katti, Lydia Haustein und Okwui Enwezor einen Reader zur aktuellen Videokunst bietet, der in kunstgeschichtlicher, ästhetischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive das Phänomen Videokunst untersucht.
Mit »Neue Kunst für junge Augen« liegt erstmals ein Führer durch die Sammlungsbestände des MNK vor, der sich an ein junges Publikum richtet. Von Andy Warhol bis Martin Kippenberger werden 23 Künstler vorgestellt und auch für jugendliche Leser verständlich erläutert. Ein Einstieg in die Kunst der Gegenwart ist damit möglich, der in seiner Spannbreite zugleich eine kleine Kunstgeschichte der Nachkriegszeit darstellt. Auf dem Weg durchs Museum werden die jugendlichen Leser von einem kleinen blauen Wesen begleitet, das auf einer Reise durch die Galaxis einen Zwischenstopp in Karlsruhe eingelegt hat.
»Mediascape«, the exhibition that marks the reopening of the Guggenheim Museum SoHo, offers cause for celebration on many fronts. It announces the Guggenheim's commitment to exploring the relationship between technology and culture; it initiates a long-term collaboration between the Guggenheim Museum and ZKM/Center for Art and Media in Karlsruhe, Germany; and, finally, the exhibition establishes collaborations with corporate partners who are providing both financial assistance and significant, long-term access to technology and expertise, which will enable the museum to realize complex and unusually demanding exhibitions of multimedia art.This is an interesting moment in history, one that resembles the Italian Renaissance in its commingling of science, art, and the humanities. In contemporary society, the traditional notions of time and space have been transformed by advances in technology, telecommunications, and information transfer. Virtual communities have emerged, collapsing long-standing geographical boundaries and localized codes of cultural identity. The mass manufacturing and distribution of video and computer equipment has generated entirely new forms of cultural production. In unprecedented numbers, and with a sophistication born of easy access to complex technologies, artists are using these devices as aesthetic tools to develop a new syntax and structure for art making. »Mediascape«, which is drawn largely from the collections of ZKM and the Guggenheim, offers what its title suggests: a view of what new media have to offer, from sculptural formats and immersive environments to more recent interactive digital projects.
Man kann ihn drehen und wenden, den Bild- und Textband zu Bazon Brock, dem Denker im Dienst und Künstler ohne Werk – der nicht nur sein Publikum gerne intellektuell Kopf stehen lässt, sondern dies bei seinen frühen Aktionen auch selbst tat … Er gründete das "Institut für Rumorologie/Gerüchteverbreitung", das "Labor für Universalpoesie und Prognostik", das "Pathosinstitut Anderer Zustand" und die "Prophetenschule". Er veranstaltete Happenings mit Joseph Beuys und organisierte "Profi-Bürgerbewegungen" in Karlsruhe: Bazon Brock, der Kreuz- und Quer-Denker und Philosophieprofessor, für den Probleme nur dann welche sind, wenn sie unlösbar sind. Das LOCKBUCH BAZON BROCK schließt einen Lese-Zirkel zwischen Brocks Arbeit als auffälliger Zeitgenosse, als Akteur der Kulturszene seit Ende der 1950er-Jahre und den Fragen, die er provoziert. Wie er wurde, was er ist: weder Wissenschaftler noch Künstler, weder Lehrer noch Lenker - eben ein typischer Navigator zwischen schöpferischer Kulturbarberei und der Ästhetik des Unterlassens. Ein Gedankenreigen und Lese-Fahrplan für eine erste Annäherung an einen der eigenwilligsten „Quer“- und Gegen-den-Strich-Denker unserer Zeit, präsentiert in Bilderbögen und Textpfeilen von Helmut Bien, Gertrud Nolte und Anna Steins. Nicht nur ein Lesevergnügen, sondern auch ein visuelles – große Gedanken in schönstem DesignDie ideale „Einsteigerlektüre“ für alle, die den wortgewaltigen Philosophen im Kunstbetrieb besser kennen lernen möchten